Dave Phillips - IIII

CD, 2001, Manufracture, Lausanne.   Digital Download only

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REVIEWS

IIII is an unusually assembled collage from the Switzerland-based outsider environmentalist and sound artist Dave Phillips. The CD comes in a linen sleeve in a set completed with an anti-meat and corporation screed. Although you’d hesitate to call it ‘reflective’ or Zen-informed, long patches of silence or extremely quiet sonic happenings curve into sudden noise events that’ll have you worrying about the volume. Faint movements, breathing or rustling are followed by a muffled gunshot, and then the bristling and purring of cicadas. Or an insistent electronic hiss, accompanied by a desultory amplified fumbling, grows into a louder pop and clack, and then lurches with a wild cry into an extreme squall of screaming, whooping, and electronic noise that cuts out after half a minute into near silence. Elsewhere, there are odd semi-human snatches of crooning, or a split second of gulping sickness that overdrives into an acid white noise drone before dispersing among recordings of birds. Between minimalism and Dada collage, it’s at once spaced out and aggressively splintered.

(Matt Ffytche, The Wire, Issue 226, December 2002)

Die Schweizer Dave Phillips (ex-Fear of God), Sudden Infant, Ohne, Rudolf Eb.er, sie alle und einige im Geiste Verbundene weltweit bilden ein Gruppierung unter den Noisemusikern, die irgendwo aus stark linksgepraegter Gesellschafts- und Kulturkritik, aus ihrer Suche nach Erhabenheit im ausgesperrten Schmerz und aus hochkaraetiger Naechstenliebe ihre Inspiration schoepfen. Sudden Infant aka Joke Lanz bewies dies unter anderem auf seinem geschaetzten Album ‘Bandenkrieg’ (SSSM) und Rudolf Eb.er aka Runzelstirn & Gurgelstock aufs unuebertroffen Abscheulichste auf der behaarten (!) CD ‘Asshole/Snail Dilemma’ (Tochnit Aleph). Auf Philipps’ Album ‘IIII’ bleiben der und das Andere fast unbemerkt staendig praesent: Gefluester, field recordings von der Muecke, der Grille, aus der Kueche und vom Bahnhof verfolgen uns ueber die gesamte Spielzeit. Doch immer wieder, ohne jegliche Vorwarnung und ohne erkennbaren Rhythmus, versucht Phillips das stetig rollende Aussen im mal scheisswuetenden, mal angewitzelten Schrei um alles oder im Auswurf stehender, elender analoger Kotze zu brechen (weniger aus Wut denn aus Hilfosigkeit oder beidem). Gemaess seiner Aussage im Booklet ‘Words can be more than words’ streift er im Urtrieb jeglichen Versuchs des Redens das vermeintlich Informative zuvorkommend ab und platzt unueberhoerbar in die Vorstufe intersubjektiven Erkennens hinein. Einfach ma so, mit dicker Wucht. Phillips bricht das beanstandete Schweigen untereinander letztendlich aber durch nichts. Da das Ohr immer offen bleibt, kommen wir sowieso nicht umhin, die andern zu erfassen und notgedrungen kennenzulernen. Das Aussen und der Laerm werden bleiben, noch ziemlich lange und weiterhin uneins. Phillips leuchtet daher natuerlich nur kurz zwischendurch auf, es blendet aber betoerend gut.

(Erik Benndorf)